In einem EU-Projekt haben drei Vorarlberger Betriebe Mobilitätsmanagement und betriebliche Gesundheitsförderung verknüpft und den Anteil des Autos am Pendlerverkehr schon in der Pilotphase um durchschnittlich 5 % gesenkt.

Das Verkehrsaufkommen durch den Pendlerverkehr in Vorarlberg ist groß. 59 Prozent der Wege zum Arbeitsplatz werden laut Mobilitätserhebung Vorarlberg 2017 mit dem Auto zurückgelegt. Der Parkplatzdruck ist für viele Unternehmen eine Herausforderung. Gleichzeitig nehmen Wohlstanderkrankungen und psychische Belastungen zu. Beides könnte verbessert werden, wenn wir uns mehr bewegen – zum Beispiel auf dem täglichen Weg zur Arbeit.

50 % der Arbeitswege unter 10 km

Unter der Leitung und Kooperation des Energieinstitut Vorarlberg und der aks Gesundheit GmbH haben Wirtschaft mobil Betriebe im Rahmen des EU Interreg Projekts AMIGO zwei Jahre lang Maßnahmen entwickelt, um ihre Mitarbeiter*innen zum zu Fuß gehen, Radfahren und der Bus- und Bahnbenützung zu animieren. Mit Erfolg: Der Anteil des Autos am Pendlerverkehr wurde um durchschnittlich 5 Prozentpunkte gesenkt.

Eine Analyse in den AMIGO Betrieben hat gezeigt, dass rund 50 Prozent der Mitarbeiter*innen einen Arbeitsweg haben, der kürzer als zehn Kilometer ist. Diese Distanz kann hervorragend mit dem Fahrrad oder E-Bike zurückgelegt werden. Doch nur 19 Prozent der Mitarbeiter*innen nutzen ein Fahrrad. Somit besteht Potential für mehr.

Den Arbeitsweg zum Fitnessstudio machen

Um dieses Potential zu heben, haben die Wirtschaft mobil-Betriebe Haberkorn, LKH Hohenems und illwerke vkw im Rahmen des EU-Projekts AMIGO zwei Jahre lang Motivationsmaßnahmen für ihre Mitarbeiter*innen entwickelt und umgesetzt. „Den Arbeitsweg zum Fitnessstudio machen“ – so lautete die Devise. Dabei wurde Betriebliches Mobilitätsmanagement mit Betrieblicher Gesundheitsförderung verknüpft. In der Verschränkung der Themen- und Unternehmensbereiche sowie der Zusammenarbeit von EIV und aks sind neue Ideen entstanden.

Mitarbeiter*innen individuell abholen

„Sollen Motivationsmaßnahmen auch wirken, ist es entscheidend, die Menschen an der richtigen Stelle abzuholen“, erklärt Martin Reis, Bereichsleiter Mobilität im Energieinstitut. Dies wurde im Rahmen des AMIGO Projekts mehrfach berücksichtigt:

  • Wer nicht weiß, dass es umweltfreundliche und gesunde Mobilitätsalternativen zum Auto gibt, der kann sie auch nicht nutzen. Mit dem Instrument der „Mobility Maps“ haben Unternehmen eine einfache Möglichkeit, ihren Mitarbeitenden die individuellen Mobilitätsalternativen aufzuzeigen.
  • Wer ein geeignetes Fahrrad oder E-Bike verfügbar hat, dem wird das Umsteigen leichter fallen und Spaß machen. Mit der „Jobrad Aktion“ können Unternehmen ihre Mitarbeitenden beim Erwerb eines E-Bikes für den Weg zur Arbeit großartig unterstützen.
  • „Was andere tun, hat einen Einfluss auf unser eigenes Verhalten. Bewegung in der Gruppe macht mehr Spaß als alleine. Wenn wir uns öffentlich ein Ziel setzen, halte wird uns mit großer Wahrscheinlichkeit daran“, betont Martin Reis. Diese und weitere verhaltensökonomische Anreize nutzt auch das „bewegt Programm“, das im Rahmen von AMIGO zwölf Wochen lang beim Umstieg aufs Fahrrad unterstützt hat.

„Der motorisierte Individualverkehr ist nach wie vor der größte Verursacher des CO2-Ausstoßes. Und noch immer werden rund 60 Prozent der Wege zum Arbeitsplatz mit dem Auto zurückgelegt. Damit der Umstieg auf Bahn, Bus und Rad klappt, ist eine gute Infrastruktur die Voraussetzung. Es braucht aber ebenso die Motivation der Menschen zur Nutzung des bereitgestellten Angebots“, betont Mobilitätslandesrat Daniel Zadra und bedankt sich für das großartige Engagement der Wirtschaft mobil Betriebe und ihrer teilnehmenden MitarbeiterInnen.

Ziel erreicht!

Insgesamt wurden im Rahmen des EU Interreg Projekts AMIGO rund 20 verschiedene Maßnahmen entwickelt und erprobt. Bei Haberkorn, der illwerke vkw und im LHK Hohenems wurden – neben anderen Maßnahmen – schwerpunktmäßig die „Mobility Maps“, die Jobrad-Aktion und das „bewegt Programm“ erprobt und erfolgreich eingesetzt. (Siehe Statements der Unternehmen weiter unten). Und die Maßnahmen zeigen Wirkung:

  • Die Vorher-Nachher Befragung von rund 1.500 Beschäftigten (2020 und 2022) bestätigt die Reduktion des Autoverkehrsanteils am Modal Split um durchschnittlich 5 Prozentpunkte!
  • Gemeinsames Ziel aller Wirtschaft mobil Betriebe ist es, den Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Arbeitswege bis 2025 auf 48% zu reduzieren.
    „Dieses Ziel haben Haberkorn mit nunmehr 44% Autoanteil, die illwerke vkw mit 43% Autoanteil und das LKH Hohenems mit nur noch 35% durch die AMIGO Maßnahmen bereits 2023 erreicht!“ gratuliert Martin Reis.

Pendler*innen Box liefert Tipps für Unternehmen

Damit möglichst viele Unternehmen von den Erfahrungen der Wirtschaft mobil Betriebe profitieren, wurde 2018 ein Werkzeugkoffer entwickelt, der nun ergänzt mit AMIGO Maßnahmen zur Verfügung steht. Die Pendler*innen Box mit Kurzbeschreibungen von inzwischen über 30 Maßnahmen steht allen Interessierten zum Download zur Verfügung oder kann im Energieinstitut  angefordert werden.

Statements aus den Unternehmen

Haberkorn generiert 900 „Mobility Maps“

Wer sein Mobilitätsverhalten ändern will, muss die Alternativen kennen. Die Mobility Maps liefern dieses Wissen: Ein automatisiert erstelltes Infoblatt zeigt für jede Mitarbeiter*in individuell, welche Mobilitätsalternativen für den Weg vom Wohnort zum Arbeitsplatz verfügbar sind. Außerdem: Wie schnell bin ich mit dem jeweiligen Verkehrsmittel? Welchen CO2-Ausstoß verursache ich? Welche Kosten entstehen mir? Und wie viel Gesundheitsnutzen habe ich daraus?

Bei Haberkorn wurden die Mobility Maps an über 900 Mitarbeiter*innen ausgegeben.
Im Rahmen von AMIGO wurde der Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Arbeitswege auf 44% reduziert.

Andrea Sutterlüty, Nachhaltigkeitsbeauftragte: „Eine individuelle Mobilitätsberatung ist ein hervorragender Ansatzpunkt im betrieblichen Mobilitätsmanagement. Der Aufwand für das Unternehmen muss jedoch vertretbar bleiben. Die Mobility Maps erfüllen genau diese Anforderung.“

Illwerke vkw stellen 320 Jobräder

Damit Mitarbeiter*innen auf das Fahrrad oder E-Bike umsteigen, fördert der Bund seit 2015 die Anschaffung von Jobrädern. Die illwerke vkw hat die Jobrad-Aktion gleich zweimal durchgeführt und insgesamt 320 Fahrräder vorfinanziert.
Im Rahmen von AMIGO wurde der Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Arbeitswege auf 43% reduziert.

Antonia Herburger, Mobilitätsbeauftragte: „Die Nachfrage nach Jobrädern war enorm. Es freut uns aus Umwelt- und Gesundheitsgesichtspunkten sehr, dass wir so vielen Mitarbeiter*innen, dieses Angebot machen konnten.“

LKH Hohenems motiviert mit 12 Wochen Programm

Zwölf Wochen lang wurden die Mitarbeiter*innen im LKH Hohenems beim Umstieg aufs Fahrrad von einer betriebsinternen „beWEGt“-Koordinatorin begleitet. Die Teilnehmer*innen erhielten motivierende Informationen, persönliche Unterstützung und konnten sich in der Gruppe austauschen.
Im Rahmen von AMIGO wurde der Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Arbeitswege auf 35%

Josef Pfefferkorn, Mobilitätsverantwortlicher: „Die Rückmeldungen zum beWEGt Programm haben uns gezeigt, dass der Umstieg auch nachhaltig gelingen kann.“

 

Martin Reis (Mobilitätsexperte am Energieinstitut Vorarlberg), Daniel Zadra (Mobilitätslandesrat), Gerald Fitz (Vorstandsvorsitzender Haberkorn), Andrea Sutterlüty (Nachhaltigkeitsbeauftragte Haberkorn), Antonia Herburger (Mobilitätsbeauftragte illwerke vkw) Josef Pfefferkorn (Mobilitätsbeauftragter LKH Hohenems)

Zuletzt aktualisiert am 4. Mai 2023